Rendite des eigenen Depots oder Sparplans berechnen
Aus Einzahlungen, Laufzeit und heutigem Depotwert ergibt sich die Rendite pro Jahr, die das eigene Geld tatsächlich erzielt hat. Diese Zahl ist mit Indizes vergleichbar und lässt sich als Zinssatz in Hochrechnungen übernehmen.
Welche Zahlen aus der Depotübersicht in den Rechner gehören
Der Rechner braucht vier Angaben: den Einmalbetrag zu Beginn, die monatliche Sparrate, die Dauer in Monaten und den heutigen Depotwert. Für eine saubere Rechnung lohnt ein Blick in die Unterlagen der Bank:
- Depotwert heute: Kurswert aller Positionen laut Depotübersicht, ohne Guthaben auf dem Verrechnungskonto.
- Dauer: Monate seit der ersten Ausführung. Ein Sparplan, der im März 2016 startete, läuft im Oktober 2026 seit 127 Monaten.
- Einzahlungen: Summe aller Käufe aus der Umsatzliste oder dem Jahressteuerbescheid. Hat sich die Sparrate geändert, liefert XINTZINSFUSS in Excel das genauere Ergebnis.
- Auszahlungen: Ausschüttungen, die aufs Verrechnungskonto geflossen sind, und Verkäufe; im Feld „Ausgezahlt oder entnommen“ unter den erweiterten Angaben eintragen.
Jahresrendite aus Anfangs- und Endwert
Wurde einmal angelegt und danach weder eingezahlt noch entnommen, reicht die annualisierte Rendite, auch CAGR (Compound Annual Growth Rate) genannt. Sie beantwortet die Frage, mit welchem gleichbleibenden Zinssatz der Anfangswert zum Endwert gewachsen wäre. Der Gesamtgewinn wird dabei nicht durch die Jahre geteilt, sondern über die n-te Wurzel verteilt, weil der Zuwachs jedes Jahres auf dem Stand des Vorjahres aufbaut.
Rendite p. a. = (Endwert ÷ Anfangswert)^(1 ÷ Jahre) − 1 10.000 € → 18.000 € in 7 Jahren: 1,8^(1/7) − 1 = 8,76 %
Ein Plus von 80 % in sieben Jahren sind also nicht 11,4 % pro Jahr, wie die einfache Division ergäbe, sondern 8,76 %. Je länger der Zeitraum und je höher die Rendite, desto größer der Abstand zwischen beiden Rechnungen. In Excel: =(18000/10000)^(1/7)-1. Für Zeiträume unter einem Jahr ist die Hochrechnung wenig aussagekräftig: 5 % Plus in drei Monaten entsprechen rechnerisch 21,6 % pro Jahr, ohne dass sich daraus etwas über das nächste Jahr ableiten lässt.
Dieselbe Formel gibt die Durchschnittsrendite über schwankende Jahre richtig wieder. Ein Jahr mit +50 % und ein Jahr mit −50 % ergeben im arithmetischen Mittel 0 %, tatsächlich bleiben aus 10.000 € aber 7.500 €: geometrisch −13,4 % pro Jahr. Für Hochrechnungen zählt immer die geometrische Rendite.
Sparplan mit Einzahlungsterminen: interner Zinsfuß
Depot-Apps zeigen meist den Gewinn geteilt durch die Summe der Einzahlungen. Beim Sparplan ist das keine Jahresrendite, weil die Raten unterschiedlich lange angelegt waren: Die erste Rate arbeitet zehn Jahre, die letzte einen Monat. Im Durchschnitt war das eingezahlte Geld nur etwa halb so lange investiert wie die Gesamtdauer.
- Sparplan
- 200 € im Monat über 10 Jahre, Ausführung am Monatsanfang
- Eingezahlt
- 24.000 €
- Depotwert
- 34.000 €
- Gewinn laut App
- 41,7 %; durch 10 Jahre geteilt wirkt das wie 4,2 % pro Jahr
- Tatsächliche Rendite
- 6,77 % pro Jahr (interner Zinsfuß), bei Ausführung am Monatsende 6,88 %
Der interne Zinsfuß (IZF) ist der Zinssatz, bei dem alle Einzahlungen, jede mit ihrer eigenen Laufzeit verzinst, genau den heutigen Depotwert ergeben. Er ist die Zahl, die ein Zinseszinsrechner mit derselben Sparrate und Laufzeit braucht, um den tatsächlichen Depotwert zu reproduzieren. Für Sparpläne gibt es keine geschlossene Formel; der Rechner oben ermittelt ihn durch schrittweise Annäherung. Bei gleichbleibender Rate geht das auch in Excel ohne Datumsliste: =(1+ZINS(120;-200;0;34000;1))^12-1 ergibt 6,77 %.
XINTZINSFUSS in Excel einsetzen
Sind Einzahlungen unregelmäßig, etwa durch Sonderzahlungen, geänderte Sparraten oder Entnahmen, rechnet Excel mit den echten Daten. Die Funktion heißt in der deutschen Version XINTZINSFUSS, in Google Sheets und englischem Excel XIRR. Sie rechnet taggenau mit 365 Tagen und gibt direkt eine Jahresrendite aus.
- Spalte A: Datum jeder Zahlung, Spalte B: Betrag. Einzahlungen negativ eintragen, Entnahmen und Ausschüttungen aufs Konto positiv.
- In die letzte Zeile das heutige Datum und den aktuellen Depotwert als positiven Betrag schreiben.
- Formel eingeben:
=XINTZINSFUSS(B2:B121;A2:A121)und die Zelle als Prozent formatieren. - Bei der Meldung
#ZAHL!einen Schätzwert als drittes Argument ergänzen, etwa;0,05, und prüfen, ob mindestens ein negativer und ein positiver Betrag vorhanden sind und die Daten als Datum, nicht als Text, erkannt werden.
| Zeile | A: Datum | B: Betrag | Bedeutung |
|---|---|---|---|
| 2 | 01.03.2020 | −5.000 € | Einmalanlage |
| 3 | 01.04.2020 | −150 € | erste Sparrate |
| … | … | −150 € | jede weitere Rate |
| 40 | 15.06.2023 | +2.000 € | Teilverkauf |
| … | … | … | weitere Raten |
| letzte | heutiges Datum | +Depotwert | fiktiver Verkauf zum Stichtag |
Die Umsatzliste mit Datum und Betrag liefert fast jede Bank als CSV-Export. Ordergebühren gehören in den Einzahlungsbetrag, weil sie das eingesetzte Geld erhöhen, ohne Anteile zu kaufen.
TTWROR und IZF in Depot-Apps
| Kennzahl | misst | Einzahlungszeitpunkt | wofür |
|---|---|---|---|
| IZF (interner Zinsfuß) | Rendite des eigenen Geldes, geldgewichtet | zählt mit: viel Geld vor einem Anstieg erhöht die Rendite | eigener Erfolg, Hochrechnungen |
| TTWROR (True Time-Weighted Rate of Return) | Wertentwicklung der Anlage selbst, zeitgewichtet | wird herausgerechnet | Vergleich mit Index oder Fonds |
| Gewinn in % | Gewinn ÷ Einzahlungen | ignoriert die Dauer | nur als Momentaufnahme |
Wie stark beide Kennzahlen auseinanderliegen können, zeigt ein Beispiel über zwei Jahre. Jahr 1: 10.000 € angelegt, +20 %, Stand 12.000 €. Zu Beginn von Jahr 2 kommen 50.000 € dazu, Stand 62.000 €. Jahr 2: −10 %, Stand 55.800 €.
- TTWROR: 1,20 × 0,90 − 1 = +8 % in zwei Jahren, +3,92 % pro Jahr. Der Fonds hat sich gut entwickelt.
- IZF: −6,05 % pro Jahr. Das meiste Geld kam direkt vor dem Verlustjahr, insgesamt stehen 60.000 € Einzahlungen 55.800 € Depotwert gegenüber.
Programme wie Portfolio Performance zeigen beide Kennzahlen nebeneinander, Neobroker-Apps oft nur den Gewinn in Prozent. Liegt der IZF dauerhaft unter der TTWROR, kam viel Geld kurz vor schwachen Phasen ins Depot. Fondsprospekte, Factsheets und Indexanbieter veröffentlichen immer die zeitgewichtete Rendite; der Vergleich mit dem eigenen Depot ist deshalb nur über die TTWROR fair.
Ausschüttungen, Kosten und Steuern einrechnen
Eine Rendite ist nur so genau wie die Zahlungen, die in sie eingehen. Fehlende Posten verschieben das Ergebnis in eine vorhersehbare Richtung.
- Ausschüttungen, die aufs Verrechnungskonto fließen, sind Rückflüsse. Fehlen sie, erscheint die Rendite eines ausschüttenden ETFs um die Ausschüttungsrendite zu niedrig, oft 1,5 bis 3 Prozentpunkte.
- Laufende Fondskosten (TER) sind im Kurs bereits abgezogen und müssen nicht extra erfasst werden.
- Ordergebühren und Depotgebühren sind nicht im Kurs enthalten; als zusätzliche Einzahlung erfassen.
- Steuern, etwa die Vorabpauschale im Januar, als zusätzliche Einzahlung erfassen, wenn die Rendite nach Steuern gesucht ist; weglassen für die Rendite vor Steuern.
- Inflation: Die Rendite ist nominal. Die reale Rendite ergibt sich aus (1 + Rendite) ÷ (1 + Inflation) − 1; 6,77 % bei 2 % Inflation sind real 4,68 %.
Ergebnis als Zinssatz weiterrechnen
Der interne Zinsfuß lässt sich direkt als Zinssatz in den Zinseszinsrechner übernehmen: Mit gleicher Sparrate und Laufzeit ergibt er den heutigen Depotwert. Für die Fortschreibung den heutigen Depotwert als Startkapital eintragen, die künftige Sparrate und die Restlaufzeit, und für die Rendite eine vorsichtige Annahme wählen.
Kurze Zeiträume sind für Prognosen ungeeignet
Ein Sparplan, der 2019 begann, hat bis 2021 zweistellige Jahresrenditen erzielt, nach dem Einbruch 2022 deutlich weniger. Unter etwa zehn Jahren sagt die eigene Rendite mehr über den Startzeitpunkt aus als über den Markt.
Für Hochrechnungen eignet sich die langfristige Durchschnittsrendite der Anlageklasse: bei breit gestreuten Aktien-ETFs vorsichtig 5 bis 7 % pro Jahr, nach Kosten. Die eigene Rendite dient als Kontrolle. Liegt sie über viele Jahre deutlich unter dem Index, sind meist Kosten, ungünstiges Timing bei Sonderzahlungen oder ein großer Anteil im Tagesgeld die Ursache. Wer das Ergebnis nach Steuern braucht, rechnet die Hochrechnung mit Steuerabzug oder zieht die Steuer auf den Gewinn beim Verkauf ab.